Stadtgeschichte von Darmstadt

Darmstadt Die Geschichte der Stadt Darmstadt beginnt offiziell am 23.7.1330, als Kaiser Ludwig der Bayer den Grafen von Katzenelnbogen das Stadtrecht für Darmstadt verleiht. Die Grafen veranlassen kurz darauf den Bau der Stadtmauer. 1369 erhält die junge Stadt eine eigene Kapelle, die später zur Stadtkirche erweitert wird.
Aufgrund einer Erbschaft wird Darmstadt dem Herrschaftsgebiet von Landgraf Heinrich III. von Hessen zu Marburg angeschlossen.
Der Schmalkaldische Krieg 1546/1547 zwischen dem Kaiser Karl V. (Katholisch) und dem Schmalkaldischen Bund (Zusammenschluss Protestantischer Fürsten) führte 1546 zur Zerstörung von Teilen Darmstadts durch die kaiserlichen Truppen.
Ab 1567 ist Darmstadt die Residenzstadt der Landgrafen in Folge dessen wird in der Stadt viel gebaut.
Der 30 jährige Krieg macht auch vor Darmstadt nicht halt und 1622 wird die Stadt vom Grafen Mansfeld und seinen Truppen besetzt. Wie überall in Deutschland grassieren Elend, Hunger und Seuchen auch in Darmstadt und so fallen 1635 rund 2000 Mensch der Pest zum Opfer.
Nach Kriegsende bricht für die Stadt eine weitaus bessere Zeit an. Die Kultur erlebt einen Aufschwung. So verpflichtet 1670 Landgraf Ludwig VI. dem Komponisten Wolfgang Karl Briegel für das "Comoedienhaus". Das Comoedienhaus ist das Ergebnis des Umbaus (1670) der Reithalle am Birngarten. Später wird es wieder umgebaut und zwar zu einem Operntheater, das 1711 eröffnet wird.
1715 erfolgt der Um-, bzw. der Neubau des Schlosses, denn auf Grund eines Brandes ist der alte Kanzleibau völlig zerstört. Die barocken Baupläne des Architekten Louis Remv de la Fosse werden allerdings nur teilweise fertig gestellt. (1727 zwei Schlossflügel, 1719 ein Flügel der Orangerie)

Die Stadt wächst weiter und sowohl die Bauaktivität, als auch die kulturelle Bedeutung der Stadt nimmt zu.
1725 wird der Bessunger Jagdhof und 1737 die erste Synagoge (kleine Ochsengasse) eingeweiht.
Durch die Bemühungen der Landgräfin Caroline und den Kriegsrat Heinrich Merck entsteht der Kreis der Empfindsamen. An diesen kulturellen Treffen nehmen u.a. Herder, Klopstock und Goethe teil.
Ein weiterer großer deutscher Literat hinterlässt in Darmstadt seine Spuren, denn als Redakteur schreibt 1777 Matthias Claudius regelmäßig in der "Hessen-Darmstädtischen privilegierten Landeszeitung".
Zudem wird 1777 das Kollegiengebäude erbaut.
Für die katholischen Bewohner der Stadt ist der 1.12.1790 ein ganz besonderer Tag, denn ab nun ist ihnen wieder die Abhaltung eigener Gottesdienste erlaubt.
Der Landgraf Ludwig X. tritt 1806 dem Rheinbund bei. In Folge dessen muss er Napoleon für dessen Feldzüge Soldaten stellen und wird selbst zum Großherzog Ludewig I. Sein Herrschaftsgebiet erweitert sich zudem 1816 um die Provinz Rheinhessen.
Darmstadt ist also zur Residenzstadt von Großherzögen aufgestiegen.
Die Stadt erlebt daraufhin wieder einen Aufschwung und 1810 beginnt der Bau der Darmstädter Neustadt nach den Plänen von Georg Moller im Westen der Stadt.
Mit dem 17.12.1820 tritt die erste Verfassung des Großherzogtum Hessen in Kraft. Die neue, revolutionäre Zeit hat auch in Darmstadt Einzug erhalten. Georg Büchner flieht 1835 aus der Stadt nach Straßburg denn wegen "revolutionärer Umtriebe" droht ihm in Darmstadt die Verhaftung
Die "neue" Zeit bringt der Stadt 1846 den Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz ("Main-Neckar-Bahn").
In vielen Teilen Deutschlands herrscht 1848/49 der Ausnahmezustand. Doch davon bleibt Darmstadt weitestgehend verschont, denn der Erbgroßherzog Ludwig III. gibt schon am 6.3.1848 den Forderungen (Presse- und Versammlungsfreiheit, Reformen von Regierung und Justiz) von Landtag und Gemeinden statt.
Ab 1864/65 erfolgt die Adreßbezeichnung innerhalb der Stadt mit Hilfe von Straßennamen und Hausnummern.

Während des deutsch-französische Krieg 1870/1871 dient die Orangerie als Lazarett für Verwundete deutsche Soldaten.
Mit der Einführung der Städteordnung im Großherzogtum 1874 wird das Bürgermeisteramt der Stadt Darmstadt zur hauptamtlichen Tätigkeit. Der erste hauptamtliche Bürgermeister wird Albrecht Ohly.
Zudem erhält die Stadt drei Jahre später eine technische Hochschule. Und ab 1888 auch ein Elektrizitätswerk. Die Einwohnerzahl erreicht in Folge de Eingemeindungspolitik 50.000.
Der Fortschritt ist kaum aufzuhalten und ab dem 7.11.1897 können die Darmstädter die neu eröffnete Straßenbahn nutzen.
Das Gebiet der Mathildenhöhe wird ab 1898 peu á peu erschlossen: 1899 erfolgt die Einweihung der russischen Kapelle, 1900 die Errichtung einer Künstlerkolonie und 1901 Eröffnung des Atelierhauses in dem 1901 die erste und 1904 die zweiter Ausstellung "Ein Dokument deutscher Kunst" zu sehen sind.
Mit den neuen Vierteln Mathildenhöhe, Paulusviertel (1901) und der Gartenvorstadt Hohler Weg (1910) wird Darmstadt zur Gartenstadt.
Der neue Hauptbahnhof nach den Plänen von Friedrich Pützer wird am 28.4.1912 eröffnet.
Der 1. Weltkrieg bereitet der vierten Ausstellung in der Künstlerkolonie ein jähes Ende, diese 4. Ausstellung wird zudem die letzte der Künstlerkolonie sein. Zudem sterben 2000 Darmstädte als Soldaten im 1. Weltkrieg.
Das Ende der Monarchie erfolgt durch die Absetzung des Großherzogs durch einen Arbeiter- und Soldatenrat am 9.11.1918. Die nun "freie sozialistische Republik Hessen" wird durch die Verfassungsverabschiedung am 12.12.1919 zum "Volksstaat Hessen".
Die Stadt wird vom 6.4-17.5.1920 von den Franzosen besetzt. 1923 erfolgt wieder eine französische Besetzung von Teilen der Stadt.
Vielleicht begünstigt die stake Arbeitslosigkeit (1930 21.000 Personen) den frühen Aufstieg der NSDAP, denn ab 1929 sitzen NSDAP-Abgeordnete in der Stadtverordneten Versammlung und bei den Land- und Reichstagswahlen (bis 1932) erzielt die Partei Ergebnisse von 40% der Stimmen in der Stadt.

1935 wird Darmstadt an die Reichsautobahn angebunden, von nun an kann man von Darmstadt nach Frankfurt, oder in die andere Richtung von Darmstadt nach Heidelberg fahren.
Die beiden NS-Wanderausstellungen "Entartete Kunst" und "Volk und Rasse" sind 1936 in der Stadt zu Gast.
Die Einwohnerzahl steigt, wieder auf Grund von Eingemeindungen, auf 110.000, somit ist Darmstadt eine Großstadt und ab 1938 auch kreisfrei.
Ab 1940 wird Darmstadt 35-mal von den Alliierten bombardiert.
Die jüdischen Einwohner werden ab 1942 systematische deportiert (Theresienstadt, Auschwitz) und mit Februar 1943 lebt keiner der jüdischen Einwohner mehr in seiner alten Heimat.
Die Nacht des 11./12 9.1944 bringt der Stadt den verheerendsten Luftangriff. Dabei sterben rund 11.000 Menschen, und weitere 66.000 werden obdachlos, denn die Stadt gleicht einer Trümmerlandschaft.
Die Nazi-Herrschaft endet am 25.3.1945, als die Amerikaner die Stadt erobern. Der neu eingesetzte Oberbürgermeister Ludwig Metzger beginnt schon bald mit der "Enttrümmerung" der Stadt, die sich allerdings bis 1958 hinzieht.
Seit 1949 wird der Wiederaufbau mit der Wiederaufbau GmbH koordiniert.
Zu den wiedererrichteten historischen Gebäuden gehören u.a. der Schlosskomplex, die Stadtkirche, das Altes Rathaus, das Hoftheater, die Ludwigskirche und die Ludwigssäule auf dem Luisenplatz. die Russische Kapelle, das Ernst-Ludwig-Haus und der Hochzeitsturm mit der Ausstellungshalle. Ansonsten wird die Stadt durch zahlreiche Neubauten ergänzt.

1958 beginnt die Städtepartnerschaft mit Alkmaar (NL), Troyes (FR) und Chersterfield (GB).
Das Justus-Liebig-Haus wird 1964 eingeweiht.
Ab 1968 gibt es Städtepartnerschaften mit Graz (A) und Trondheim (Norwegen) und ab 1971 mit Bursa (Türkei).
Zudem wird 1971 die Fachhochschule eröffnet.
1975 erhält Darmstadt den Europapreis vom Europarat in Straßburg.
1980 feiert die Stadt ihr 650. Jubiläum.
1988 erhält die Stadt eine polnische Partnerstadt (Plock), 1990 folgen Szeged (Ungarn) und Freiberg (Sachsen), 1991 dann Brescia (I) und Saanen/Staad (CH) und 1993 schließlich Ushgorod (Ukraine) und Liepaja (Lettland).
Die erste Synagoge seit der Nazi-Herrschaft wird 1988 in der Wilhelm-Glässing Straße eröffnet.
Seit 1993 erfolgt die Oberbürgermeisterwahl direkt.
1994 eröffnet das "Haus der Geschichte" im ehemaligen Hoftheater, und der Neubau der Stadtbibliothek.
1995 werden sowohl die Gedenktafel für die Zwangsarbeiter während des 2. Weltkrieges, als auch das Mahnmal für die Opfer von Krieg und Faschismus enthüllt.
Nach der Umbenennung der technischen Hochschule in technische Universität ist Darmstadt 1997 zur Wissenschaftsstadt geworden.